Männerchor Neukirch-Egnach 
Männer mag man eben

Geschichte Männerchor Neukirch-Egnach (bis 1995)

1845

Im «obstbaumgesegneten» Egnach gründen 14 Männer einen Männerchor, um dem Lied und Chorgesang auch in der Landschaft draussen zu huldigen.

1852

Am 5. Juli 1852 findet in Neukirch-Egnach bei schönstem Wetter ein Sängerfest statt, an dem rund 40 thurgauische Chöre sowie 4 Vereine aus den Kantonen St. Gallen und Appenzell teilnehmen. Im gemütlichen, nur etwas zu langen Vortrag er­innert Pfarrer Hanhart an die Gründung des thurg. kantonalen Gesangsvereins vor 25 Jahren. Die Organisation ist noch nicht so perfekt wie   später, zur Vorprobe in der Kirche erscheint nur etwa ein Drittel der Sänger und auch diese sind noch sehr zerstreut. Die frohe Sängerschar scheidet aber von Neukirch mit der bleibenden Er­innerung an einen schönen Festtag.

1864

Anfangs Juli holen die Egnacher ihren neuen Pfarrer in Lütisburg ab. In Bischofszell wird eingekehrt und der Männerchor singt einige Lieder. Darauf fahren die Egnacher mit 15 Zweispännern und 16 Einspännern in ihr heimatliches Paradies, wo der Män­nerchor nochmals singt.

1874

Am Sängertag in Weinfelden singt der Chor «Über den Sternen», wofür er 20 Punkte erhält und als 1. einfachen Preis einen Eichenkranz.

1876

Zur Vorbereitung des kantonalen Sängerfestes von 1878 in unserer Gemeinde wer­den sämtliche Schul- und Kirchenvorsteherschaften, Lehrer, Pfleger und der Zivil­standsbeamte zur Beratung eingeladen. Die Einladung zeugt von der grossen Bedeu­tung, welche diesem Ereignis für das kulturelle Leben der Gemeinde beigemessen wurde.

1878

Der Chor führt das kantonale Sängerfest durch. Daran nehmen zwanzig Vereine teil. Bezüglich Erteilung von Bewilligungen für Karussells, Schiessständen usw. be­schliesst der Gemeinderat, derartige, das Fest störende Bewilligungen zu verwei­gern. Der Männerchor Neukirch-Egnach macht auch kantonal von sich reden: Joachim Michel, Präsident des Festkomitees und während insgesamt 50 Jahren Leh­rer in Wilen, hat zum 50-Jahr-Jubiläum des thurg. Sängervereins eine Festschrift verfasst.

1881

Am kantonalen Sängertag in Arbon übergibt Kantonsrat Michel für die Egnacher das kantonale Banner dem durchführenden Männerchor. 

1883

Der Chor nimmt am 1. und 2. Juli an einem Sängerfest in Frauenfeld teil. Ein herrli­cher Sommertag lacht den Sängern entgegen, welche mit der Bahn, mit Wagen oder zu Fuss in der reichbeflaggten Feststadt einrücken. Für das Lied «Frühlingswande­rung» erhält der Chor die Note «gut» mit Eichenkranz. 

1895

In seinem 50. Vereinsjahr nimmt der Männerchor Neukirch-Egnach am 7. und 8. Juli an einem Sängerfest in Arbon teil. Noch kein thurgauisches Sängerfest hat einen so vorzüglichen Verlauf genommen wie das heutige. Von den 35 konkurrenzierenden Vereinen erhielten 26 Lorbeer- und 9 Eichenkränze. 

1897

In einem zeitgenössischen Dokument wird ein Männerchor Steinebrunn erwähnt. Der Männerchor Neukirch-Egnach ehrt Lehrer Michel in Wilen, der dem Verein als jeder­zeit sangesfreudiges und allzeit treues Mitglied 50 Jahre angehört. Auch die Tradi­tion der Theateraufführungen des Männerchors wird dokumentiert. In diesem Jahr wird eine musikalisch-theatralische Aufführung im Schulhaus Steinebrunn erwähnt. Der Eintritt dazu beträgt 70 Rappen.  

1898

Der Chor nimmt am kantonalen Gesangsfest in Frauenfeld teil, nicht aber am Wett­gesang. An diesem Fest kann man den Spruch lesen: 
«Sänger; singst Du oft daneben, wird’s zu hoch, zu tief bald sein, trinke Blut der holden Reben, und Dein Ton wird wieder rein.» Für seine Unterhaltung zieht der Chor ein Quintett der Weingartner Reitermusik bei.

1901

Am 6. und 7. Juli reist der Chor ins Glarnerland.
Fast 100 Jahre später kann uns das damalige Reiseprogramm zum Nachdenken anre­gen. Es lautet auszugsweise:
Montag, 1. Juli: 
04:00 Tagwache
05:30 Morgenessen, Spaziergang ins Klöntal
09:07 Abfahrt in Glarus
09:17 Ankunft in Mollis
Bis 10:00 Frühstück, Abmarsch nach Obstalden, Marschzeit ca. 2 h

Im gleichen Jahr beteiligt sich der Chor an einem Konzert zugunsten des neugegrün­deten Kindergartens in Neukirch.

1902    

Ein Männerchor Ringenzeichen führt ein Konzert im Rest. Obstgarten und ein musi­kalisch-theatralisches Programm im Rössli, Stachen auf.

1904

Im Chor findet eine Diskussion über das Probelokal statt. Es ist wahrscheinlich nicht die erste und ganz sicher nicht die letzte. Zur Diskussion steht der Antrag, anstatt im Wirtshaus im Schulhaus zu proben. Die entsprechenden Protokolle enden mit dem Satz: 

«So war man dann froh, dass man im alten, gewohnten Lokal wieder singen durfte, und somit diese unerspriessliche Angelegenheit erledigt war.»

Dass der Chor zu der Zeit nicht in bester Verfassung war, zeigt der nachstehende Protokollauszug:
«Am 3. März ging uns eine Einladung zum Besuch des Sängerfestes in Kreuzlingen zu. Leider mussten wir aber von demselben absagen, da das Stimmenverhältnis es uns nicht zuliess, am Wettkampf teilzunehmen. Wir erhoffen uns aber auch hierfür bessere Zeiten.» 

Amüsant ist aber der nachstehende Reisebericht aus diesem Jahr: 

Reisebericht des Männerchors Neukirch den 3. Juli 1904

Durch Vereinsbeschluss vom 22. Juni war der 26. Juni als Reisetag bestimmt, wurde aber dann auf den 3. Juli verschoben. Alljährlich wenn die Natur erwacht, die Bäume in ihrer schönsten Blütenpracht dastehen und Berg und ThaI, Wiesen und Felder im herrlichsten Grün leuchten, dann treibt es die   Menschen hinaus, sich an Gottes schöner Natur zu freuen; vorab den Sänger, der um die Wette mit den gefiederten Sängern in den Lüften jubiliert.

Anders der Männerchor Neukirch. Der wartet auf eine wärmere Zeit, erst vor den Hundstagen beginnt sein Flug. So war es auch dieses Jahr, am 3. Juli sollte das hochwichtige Ereignis stattfinden. Es war zwar kein Sonntag hell und klar, allein der Schreiber  dieses Berichtes warf sich in Staat, steckte eine Rose ins Knopfloch und fort   gings, Egnach zu, jemanden fragend: «Hebt ächt s'Wetter?» Zu Erdhausen gabs dann einen Misston, indem ein Mitglied mit seinem Rade meinen Weg kreuzte und  Neukirch zu fuhr. Eigenthümlich. - Allein nach wenigen Schritten rief mir je­mand zu: «Sie god öd». Ich glaubte er mache seinen Spass, aber als ich dann ein Mitglied mit der Mistgabel im Stalle hantieren sah, da war die Situation schon schlimmer. Mit  einigen Kraftworten bewog ich ihn, die Mistgabel fallenzulassen und sich umzuziehen, worauf ich dann innerlich fluchend Hagenbuchen zusteuerte. Dort fand ich unseren Kassier, aber nicht im Festgewande. Ich war dann aber doch mit ihm zufrieden, da er mir für allfällige Auslagen einen Zehnpfennig mitgab, welchen ich dann redlich theilte. Nun machte ich mich wieder auf die Socken und traf dann auf der Strasse auf das Gros des Vereins, 4 Mann hoch und so verblieb diese Zahl bis kurz vor acht, wo wir dann 13 Mann zusammenbrachten. Darauf führte uns der Zug fort, an dem herrlichen Gestade des Sees entlang Konstanz zu. Dort bestiegen wir den badischen Zug, der uns über Radolfszell nach Singen führen sollte. 

1905

Am 1. und 2. Juli unternimmt der Männerchor eine Bündnerreise. Sie führt über das Prättigau und Davos nach Wiesen, wo der Chor im Hotel Bellevue übernachtet. Am nächsten Tag fahren die Sänger durchs Domleschg wieder heim zu.

1906

Seit ungefähr einem Jahr besteht ein neugegründeter Männerchor in Egnach. Er führt einen Familienabend durch. In Steinebrunn bietet ein Töchternchor eine Abendunterhaltung, in Neukirch der Kirchenchor und ebenfalls der Männerchor Neu­kirch-Egnach.

1908

Der Männerchor Neukirch-Egnach ist einer der ältesten im Kanton. Der Männerchor Ringenzeichen ist mangels Sänger eingegangen, derjenige von Egnach bestand 4 Jahre. Nun haben sich alle 3 im Männerchor Neukirch-Egnach zusammengeschlos­sen. Das Honorar des Dirigenten beträgt Fr. 200.—.

1909

An der Versammlung am 21. November wird eine Vereinsfahne erwähnt. Sie tritt in den noch vorhandenen Protokollen erstmals auf, muss aber schon recht alt sein, denn die Diskussion betrifft ihre Reparatur.

1910

Nach über 10 Jahren nimmt der Männerchor erstmals wieder an einem Sängerfest teil. Er singt in Bischofszell das Lied «Frühlingswehen» von Decker. Die Preisrichter sprechen dem Chor einen Lorbeerkranz zu. Bei diesem Anlass traten die Sänger aus Neukirch-Egnach erstmals mit einer einheitlichen Kopfbedeckung auf. In der heuti­gen Zeit kaum mehr vorstellbar ist auch, dass der Chor trotz der Nähe des Festorts in Bischofszell übernachtete.

1914

Aus dem Protokoll der Hauptversammlung vom 8. November im Restaurant Rössli geht hervor, dass viele der Sänger zur Grenzbesetzung einrücken mussten. Während 2 Monaten fanden keine Gesangsstunden statt. In diesem Protokoll wird auch die In­schrift auf der Vereinsfahne erwähnt, welche so gut zu dieser Zeit passt:

«Singet freudig eure Lieder, preiset Gott und Vaterland.» Trotzdem ist der Chor in der Lage, eine Abendunterhaltung mit einem anspruchsvollen Programm durchzu­führen. Neben 7 Liedern des Chors werden 2 Lieder von einem Bariton-Solisten vor­getragen und 2 (!) Lustspiele aufgeführt. Die Bevölkerung hatte offensichtlich das Bedürfnis, die schwere Zeit an einem frohen Abend kurz zu vergessen, denn der Saal war fast bis auf den letzten Platz besetzt und auchder Tanzboden blieb nicht leer.

1918

Die Männerchöre Salmsach und Neukirch-Egnach führen am 30. Juni bei herrlichem Wetter auf dem Winzelnberg einen gemeinsamen Sängertag durch.

1919

Die Musikgesellschaft, der Turnverein, beide Kirchenchöre und der Männerchor Neu­kirch-Egnach gestalten auf dem Winzelnberg gemeinsam ein Frühlingsfest. Trotz zweifelhafter Witterung ist das Fest im Freien ein voller Erfolg. Im gleichen Jahr sucht der Verein Wege, um einen besseren Probenbesuch zu erreichen. Der Dirigent ist nicht mehr bereit, unter diesen Umständen weiter zu arbeiten. Trotz dieser in­ternen Probleme erfreut sich der Männerchor eines guten Rufes in der Bevölkerung. Nachdem der Alptraum des Kriegs vorbei ist, wagt er sich deshalb an eine Samm­lung für eine neue Fahne. Mit dieser sollen 12 junge Damen betraut werden.

1920

Zu seinem 75-Jahr-Jubiläum erhält der Chor eine neue Fahne. Tausende von Perso­nen nehmen an dem Fest auf dem Gristenbühl teil, an dem auch 9 Gastchöre sin­gen. Der Männerchor Romanshorn ist «Fahnengötti» und die Musikgesellschaft Neu­kirch-Egnach wirkt als Festmusik. Das Fest bekommt durch die prächtige Witterung zusätzlichen Glanz. Mit dem Gewinn von ca. Fr. 700.- ist der Chor sehr zufrieden.

1925

Anstelle eines Theaters gibt der Chor ein Konzert mit klassischen Liedern von Bach und Beethoven.

1927

Der Männerchor führt einen Oberthurgauer Sängertag durch, an dem 24 Chöre teil­nehmen. Zum Abschluss singen alle Damen-, gemischten und Männerchöre jeweils als Gesamtchor.

 

Am 22. November feiert die evangelische Kirchgemeinde Egnach ihr 200-jähriges Bestehen. Für das anspruchsvolle Konzert anlässlich dieses Jubiläums wird der Kir­chenchor auch durch Sänger des Männerchors verstärkt.

1929

Schon damals waren Posten nicht immer leicht zu besetzen, wie folgende Passage unter dem Protokollpunkt «Bestimmung des Reiseberichterstatters» zeigt.  
Es soll zuerst Hr. Dirigent E. Keller ersucht werden, dieses Amt zu übernehmen. Sollte er die Mission ausschlagen, müsste der Aktuar in den sauren Apfel beissen. Es soll hierfür eine Entschädigung von Fr. 30.- aus der Reisekasse geopfert werden. Der Chor nimmt an einem Sängerfest in Arbon teil. Er besammelt sich morgens um 6 Uhr beim Rössli in Neukirch zum Abmarsch über Stachen nach Arbon.

1938

Paul Rutishauser stiftet ein Schwein, das «heute Abend kameradschaftlich verzehrt werden müsse». Der Schmaus zog sich hin bis in die Morgenstunden unter Hinterlas­sung vieler ausgehöhlter Weinflaschen und vieler saftiger Witze.

1939

Die Unterhaltung muss wegen der Vieh-Seuche verschoben werden.  

Im Protokoll der HV vom 14. Januar wird auch die «kritische Novemberstimmung am politischen Horizont» erwähnt. Die bedrohliche Situation spiegelt sich auch in der Einladung zum Familienabend wieder. Das Programm steht im Zeichen des schwei­zerischen Schaffens. «Auch das Theaterstück ist Schweizerprodukt». Im April be­schliesst der Chor, am Sängerfest in Romanshorn teilzunehmen, aber nur, wenn ein Schweizer Kantonaldirigent ist.

1941

Der Chor zählt 46 Mitglieder, wovon über ein Drittel im Aktivdienst sind. 

An der kantonalen Delegiertenversammlung gibt es hitzige und teilweise chaotische Diskussionen, weil Kantonalpräsident K. Strobl wegen seiner politischen Einstellung die Sympathie der Mehrzahl der Vereine verloren hat. Er tritt in der Folge zurück. Trotzdem wird ein Antrag abgelehnt, dass der Kantonalpräsident und Kantonaldiri­gent Schweizerbürger sein müssen.

Im September findet in Neukirch ein Sängertreffen mit dem Männerchor Stachen statt. Leider wird der gemütliche Teil durch Regen verdorben.

1943

Am   9. Mai treffen sich die Männerchöre Neukirch-Egnach und Stachen im Garten des   Rest. Rössli in Stachen zu einem Freundschaftssingen.

1944

Der   Chor mit 59 Mitgliedern befindet sich in einer Blütezeit. Die Vorbereitungen für das 100-Jahr-Jubiläum im nächsten Jahr laufen. Die Egnacher haben dazu   ganz grosse Pläne. Gemäss Protokollen wollte der Dirigent sogar mit General Eisenhower in Verbindung treten. Es ist allerdings nicht ganz sicher, ob nicht nur der damalige Aktuar einen Scherz als eine ernsthafte Absicht interpretiert hat. 

1945

Zur Feier des 100-jährigen Bestehens findet am 22. April in der Kirche ein glanzvol­les Jubiläumskonzert statt. An diesem Konzert wirkt auch ein Tenor vom Stadtthea­ter St. Gallen als Solist mit. Den Schwerpunkt des Programmes bilden Schubert-Lieder.

Am 8. Mai verkünden die Glocken im ganzen Land das Ende des 2. Weltkrieges.

Mitte Juli nehmen 38 Chöre mit rund 1300 Sängern am Jubiläums-Sängertag teil. Im Festprogramm wirkt auch die Trachtengruppe mit Volkstanzeinlagen mit und der bunte Abend wird von verschiedenen Ortsvereinen mitgestaltet.

1950

Erstmals nach 14 Jahren unternimmt der Männerchor eine Reise ins Ausland. Von dieser Reise an die italienische und französische Riviera schwärmt der Aktuar Karl Zoller schon im Voraus in einem 7-seitigen Gedicht.

1951

Zu Ehren des verstorbenen Abbe Bovet singt der Chor an der Hauptversammlung sein bekanntestes Lied: Le vieux chalet. Albert Baumann, der ihn persönlich ge­kannt   hat, würdigt ihn als Schöpfer zahlreicher weiterer Volkslieder und eines gros­sen musikalischen Werkes. Er war unter anderem Kapellmeister an der Kathedrale Sankt Nikolaus in Freiburg. 

1953

Schon   wieder schwärmt der Aktuar von der nächsten Reise. Nachfolgend einige Zei­len   aus seiner Lobeshymne:

Lasst die Sorgen zuhause und des Alltagsgrau,
und der Menschen hässliches Streiten.
Die Welt ist so gross und der Himmel so blau,
wir ziehen hinaus in die Weiten.
Du rheinisches Mädel beim rheinischen Wein,
das muss ja der Himmel auf Erden sein! 
Wie schön ist das Leben bei Sang und bei Wein.
Gott schütze die Reben am herrlichen Rhein.  

1955

Am kantonalen Sängertag in Amriswil nimmt der Chor in der2. Klasse teil und erhält für seinen Vortrag einen goldenen Lorbeerkranz.

1957

Auszug aus dem Protokoll zu den Berichten über die Reise nach Hamburg: «Wie es Becke-Jogg verstand, immer gerade dann aufzuwachen, wenn gerade eine witzige Sache zur Sprache kam, verdient ungeteilte Bewunderung. Dann konnte er lachen, dass sein Bäuchlein zitterte wie der Rollmops, der Helmi so schrecklich quälte im Museum in Hamburg. Doch kaum wurde der Bericht wieder sachlicher, so rutschte die Brille mit Joggs Kopf wieder 2 Klafter tiefer und rätselhafte Laute entströmten seinem Sängermund.

1962

Durch eine schwere Gasexplosion wird das Gasthaus Rössli vollständig zerstört. Der Männerchor muss deshalb ein neues Probelokal suchen. Der Vorschlag, zukünftig in einem Schulhaus zu proben wird bedauert, weil dort die Möglichkeit fehlt, während der Probe zu einem frischen Trunk zu kommen. An der darauffolgenden Herbstver­sammlung wird das Hotel Traube zum neuen Probelokal bestimmt.

1964

Der Präsident beginnt seinen Jahresrückblick mit einem politischen Ereignis, das die ganze freie Welt erschüttert hat: Am 22. November 63 wurde der amerikanische Präsident John F. Kennedy ermordet.

Erfreulich ist dafür das Vereinsgeschehen. Der Vortrag am Kant. Gesangsfest in Ar­bon war ein voller Erfolg und das vortrefflich organisierte Fest bleibt allen in bester Erinnerung.

1970

Zum 125-jährigen Jubiläum erhält der Chor eine neue Fahne. Die Fahnenweihe fin­det im Rahmen eines Sängertages statt, an dem 28 Chöre teilnehmen. Es werden auch drei Unterhaltungsabende durchgeführt. Das Festzelt für diese Anlässe bietet 2500 Personen Platz.  

Im Juli wird Ruedi Bachmann als neuer Dirigent gewählt. Damals dachte er wohl kaum daran, dass er den Chor die nächsten 25 Jahre bis zum 150- Jahr-Jubiläum führen werde. 

1971

An einer ausserordentlichen Quartalsversammlung wird auch über Rekrutierungs­schwierigkeiten für neue Sänger diskutiert. Der Chor hat zur Zeit nur etwa 33 Mit­glieder. Er hat das Image, dass nur ältere Männer und «bessere Herren» dabei seien, was viele von einem Beitritt abhält.  

1972

Der Chor nimmt an der 100-Jahrfeier der katholischen Kirchgemeinde Steinebrunn teil. Das kantonale Sängerfest wird dieses Jahr nicht besucht. Nach dem   Hochzeits­fest eines Sängers spricht der Chor ausgiebig dem gespendeten Wein zu. Nach 5 Jahren Unterbruch wird wieder ein Ausflug mit den Frauen gemacht   und beschlos­sen, diesen wieder jährlich ins Programm aufzunehmen.

1974

Zusammen mit der Musikgesellschaft gibt der Männerchor ein Kirchenkonzert. Am 16. Juni folgt ein gemeinsamer Liedervortrag mit dem Damenchor Arbon in einer Festhütte in Stachen.

1975

Egnach weiht ein neues Schulhaus ein, und selbstverständlich bereichert der Chor auch hier die Feier mit einigen Liedern. Die Obstverwertung Egnach wird im August 75 Jahre alt. Zu diesem Geburtstag tritt der Männerchor gemeinsam mit dem Trach­tenchor auf. Im November singt der Männerchor an einem Bazar zugunsten des Al­tersheimes.

1977

Die evangelische Kirchgemeinde feiert ihr 250-jähriges Bestehen mit einem Kirchen­fest. Unser Dirigent Ruedi Bachmann ist Präsident des Organisationskomitees. Der Chor wirkt an 2 Abenden mit.

1979

Ein gemeinsames Konzert von Musikgesellschaft und Männerchor erhält eine glän­zende Kritik. 

1982

An der Abendunterhaltung, die wahrscheinlich letztmals in der alten Turnhalle durchgeführt wird, wirken die Trachtengruppe Neukirch, die Volkstanzgruppe Rogg­wil, die Herren Schneider und Daniel Bachmann sowie der Coro Tricolore San Gior­gio mit.

1984

Die Volksradtour wird erstmals vom Männerchor durchgeführt. Diese sollte in Zu­kunft eine erfolgreiche Tradition werden.

Im Mai nehmen die Sänger aus Neukirch-Egnach am zentralschweizerischen Sänger­tag in Erstfeld teil. Sie singen «Schwer mit den Schätzen des Orients beladen».

1985

Neukirch-Egnach kann die neue Mehrzweckhalle «Rietzelg» einweihen. Damit erhält die Gemeinde ein aussergewöhnliches Zentrum für sportliche und kulturelle An­lässe. Es wird unter grosser Teilnahme der Bevölkerung würdig eingeweiht und na­türlich wirkt auch der Männerchor mit.

Zum Jahr der Musik treten Musikgesellschaft, Jodler und Männerchor an einem ge­meinsamen Ständchen auf. Auch an der 50-Jahr-Feier des Jodlerclubs wirkt der Männerchor mit. 

1987

Ein gemeinsames Konzert des Orchesters Erstfeld und des Männerchors Neukirch-Egnach in der Rietzelg-Halle bildet einen der Höhepunkte im musikalischen Leben des Vereins. Aufgeführt werden italienische Werke, welche die Zuhörer begeistern.

1988

Der Kirchenchor Neukirch-Egnach feiert sein 100-jähriges Bestehen. Der Männerchor wirkt am Festakt mit.

Heute noch vielen Sängern in bester Erinnerung ist ein Adventskonzert zusammen mit beiden Kirchenchören, der Solistin Frau Litscher und einem ad hoc Streichen­semble.

1989

Die Chorgemeinschaft Überlingen und der Männerchor Neukirch-Egnach geben ein gemeinsames Konzert in der Rietzelg. Im Weiteren wirken Instrumentalisten mit Klavier, Trompete und Alphorn mit. Das hervorragende Konzert findet begeisterte Aufnahme.

1990

Anfangs November lädt der befreundete Orchesterverein Erstfeld den Männerchor Neukirch-Egnach zu seinem 40-Jahr Jubiläum ein.
Die zweitägige Reise ist sowohl musikalisch wie in kameradschaftlicher Hinsicht ein einzigartiges Erlebnis. 

1991

Das traditionelle, abwechselnd zur Unterhaltung alle 2 Jahre stattfindende Konzert wird dieses Jahr durch die Teilnahme des Jugendchors sowie   Instrumentalgruppen der Musikschule bereichert. Dargeboten werden Lieder aus Osteuropa, vor allem aus Russland.

Ende Juni feiert die Chorgemeinschaft Überlingen das 130-jährige Bestehen ihres Männerchores. Zum Jubiläumskonzert ist auch der Männerchor Neukirch-Egnach ein­geladen.

1992

Die Musikgesellschaft erhält eine neue Uniform. Zum grossen Fest anlässlich der Uniformenweihe am 13. Juni gehört ein Umzug, an dem auch der Männerchor mit   einem Wagen teilnimmt.

1993

Im September nimmt der Männerchor am 25-Jahr-Jubiläum der Musikschule teil. Unter anderem hat Musiklehrer Martin Herr dazu mit dem Motto von «Hänschen klein» etwas wie eine Kindersymphonie komponiert, die grossartig wirkt.

1995

Der Chor kann seinen 150. Geburtstag mit einer Mitgliederzahl von fast 50 Sängern feiern, welche sich aus allen Bevölkerungskreisen rekrutieren. Eine Grundlage die­ses Erfolgs ist die gute Kameradschaft.

Im Jubiläumsjahr tritt aber auch Ruedi Bachmann nach 25-jähriger Stabsführung sein Amt ab. Seine Ideen, seine Arbeit und sein unkompliziertes Wesen haben den Chor in positivem Sinn beeinflusst.

Nach dem glanzvollen Jubiläumsjahr sieht der Chor voller Zuversicht in die Zukunft. An der Schwelle eines neuen Jahrtausends steht er in der Überzeugung, dass das ge­meinsame Singen auch weiterhin eine Quelle von Frohsinn und echter Gemeinschaft bleibt. 

1995

Text:   Ruedi Gehring

Quellennachweise:

  • Protokolle Männerchor Neukirch-Egnach
  • Zusammenfassung Walter Koch aus
  • Jub. Schrift «100 Jahre Thurg. Gesangsvereine»
  • Geschichte Munizipalgemeinde Egnach
  • Alte Ausgaben «Schweiz. Bodenseezeitung»